Was will er mir sagen? Oder: Nie wieder Hypothesen!

Heute in einem Büro in einem größeren Betrieb. Der Abteilungsleiter kommt zu einer Mitarbeiterin und stellt folgende Frage:

“Ist Herr Huber-Mayr schon wieder krank?”

Die Mitarbeiterin reagiert verdutzt und ringt nach einer Antwort: “Ja, nein, vielleicht,…”

Am Abend stellt sie mir die Frage: “Du bist doch sozial kompetent. Was soll ich da antworten, wenn ich so eine Frage gestellt bekommen. Was will mein Chef mit der Frage? Will er mich aushorchen? Will er, dass ich etwas über meinen Kollegen sage? Wäre das dann Mobbing……”

Entstanden sind viele Überlegungen, Hypothesen, Bewertungen, die jedoch nichts darüber aussagen, was der Vorgesetzte “eigentlich” mit der Frage bezwecken wollte, bzw. was sein Ziel dahinter war. Was wollte er herausfinden?

Wie oft fragen Sie nach, wenn sie ein ähnliche Frage gestellt bekommen? Was will er mir sagen?

a) ich gebe sofort eine Meinung dazu ab

b) ich stelle eine Gegenfrage

c) weiß nicht

Mit Antwort b), ich stellen eine Gegenfrage, besteht zumindest die Möglichkeit das Ziel hinter der Aussage/Frage zu erfahren und entscheiden zu können, welche Antwort passend wäre. So könnte der Dialog dazu aussehen:

A) Ist Herr Mayr-Huber schon wieder krank?

B) (Ich verstehe die Frage nicht*)Was wollen Sie damit sagen/fragen? (Was ist euer begehr?”)

A) Eigenlich nichts – es ist mir nur gerade aufgefallen…passt schon.

Was wäre anders, wenn Sie das in der nächsten Zeit einmal testen? Es muss ja nicht gleich der Chef sein…oder doch…

 

 

 

*sich konstruktiv “Blöd” stellen

Brandbeschleuniger für Konflikte

Oder: Wie komme ich garantiert zu einem “spannenden” Gespräch.

Zwei gute Freund treffen sich in einem Lokal.  Einer der Gäste hat sich verspätet und trifft gehetzt ein. Nach der kurzen Begrüßung startet der Dialog.

A: “Du kommst immer  zu spät!”

B: “Immer stimmt ja gar nicht. Es war heute nur etwas hektisch.”

A: “Du bist so unpünktlich.”

A: “Ich kennen keinen, dem das so oft passiert wie dir.”

A: “Kaufe dir doch einen neuen Kalender, dann kannst du deine Termine besser koordinieren.”

Grenzverletzungen in der Kommunikation führen zu Reiz-Reaktionsmustern und letztendlich zu Konflikten. Je nach Historie der Beziehung können Verallgemeinerungen (immer, nie,…), Bewertungen (du bist so…), Vergleiche oder Belehrungen vom Gegenüber als Angriff wahrgenommen werden. Wenn diese Grenzverletzungen zum gleichen Thema öfter gesetzt werden, reicht oft schon eine Geste (Blick auf die Uhr) um den Konflikt wieder an zu heizen bzw. eskalieren zu lassen.

Deeskalierend wirken “Ich-Botschaften” in folgender Reihenfolge:

1: Wahrnehmung: Was nehme ich wahr. “Unser Termin war um xx.00 Uhr vereinbart. Jetzt ist es xx.30 Uhr.

2: Gefühle: Was fühle ich. “Ich bin so wütend. Ich fühle mich nicht respektiert!”

3: Bedürfnisse/Interesse: Was ist wichtig? “Mir ist wichtig, dass die Vereinbarungen halten.”

4: Die Lösung: Welche Lösung gibt es in dieser Situation als Wunsch/Erwartung formuliert. ” Ich wünsche mir, dass du mich anrufst, falls es später wird.”

Was wäre anderes, wenn einmal am Tag dieser Weg zu kommunizieren verwendet wird?